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"Da wird verdammt hart gearbeitet!"
Thierse, Krüger und Rappenglück eröffnen im Berliner
Abgeordnetenhaus das Jugendparlament für Europa.
Entspannt lehnt sich Wolfgang Thierse in seinem Parlamentssessel neben
dem Rednerpult im Berliner Abgeordnetenhaus zurück und betrachtet
ausgiebig das pompöse Glasdach, das den Blick in den bewölkten
Berliner Himmel freigibt. Gerade hat er mit einer kurzen Rede das Jugendparlament
für Europa eröffnet. Jetzt sitzt er, der Bundestagspräsident,
zwischen 150 Jugendlichen aus ganz Europa, die in den nächsten
drei Tagen simulieren werden, was in seinem Umfeld tägliches Geschäft
ist.
"Der eigentliche Fleiß des Parlaments zeigt sich in seinen
Ausschüssen", hatte Thierse in seiner Rede betont. "Da
wird verdammt hart gearbeitet. Es freut mich, dass Sie die Gelegenheit
haben, das Herz der parlamentarischen Arbeit kennenzulernen!" Die
entscheidende Fähigkeit sei es, zu lernen, "sich wechselseitig
zuzuhören". Besonders unterstrich Thierse die Rolle der Jugend
in der Verständigung der Kulturen. In Europa sei es heute nicht
mehr möglich, auf nationaler Ebene zu agieren. "Gerade der
11. September hat das Bewusstsein gestärkt, dass wir die Zivilisation
im Miteinander erhalten müssen."
Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische
Bildung, wies in seiner anschließenden Rede ebenfalls auf die
Bedeutung der Jugend in Politik und Gesellschaft hin. "Jugendliche
können Irritationen in die gewohnten Bahnen bringen. Wir dürfen
nicht alles den Experten überlassen!" Gerade im "Haus
Europa" seien noch viele Fragen offen es fehle die "Hausordnung",
sagte Krüger.
Eine erfolgreiche europäische Integration brauche den Rückhalt
in der Gesellschaft, sagte Krüger weiter. "Wir müssen
Partnerschaften begründen, die über die Gremien hinaus wirken".
Das Jugendparlament für Europa sei eine Möglichkeit, die Zukunft
Europas mitzugestalten. Gerade mit seinen Teilnehmern aus Weißrussland,
dem Kosovo, Rumänien, der Ukraine und Russland sei das Parlament
ein gutes Vorbild für die kulturelle Verständigung. Krüger
wünschte den Teilnehmern viel Spaß, denn der dürfe auch
in der Politik nicht verloren gehen.
Im Anschluss sprach Stefan Rappenglück, Leiter der Forschungsgruppe
Jugend und Europa am Centrum für angewandte Politikforschung, und
forderte ein transparenteres und demokratischeres Europa. "Nötig
ist ein Fundament einer gemeinsamen Identität der Europäer",
sagte Rappenglück, und forderte die Teilnehmer auf: "An diesem
Fundament müsst ihr bauen! Ihr bestimmt die Zukunft Europas mit!"
Um dies zu ermöglichen, tritt schließlich noch Frank Burgdörfer
ans Mikrofon und klärt die konkreten organisatorischen Fragen.
Schließlich machen sich alle auf den Weg zum Paul Löbe Haus,
wo am Nachmittag die einzelnen Ausschüsse tagen sollen. Und auch
Wolfgang Thierse erhebt sich aus seinem Sessel und eilt nach draußen
die nächste Sitzung wartet schon.
Andreas Menn
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