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Auf der Autobahn nach Europa
Oder warum es gut ist, dass Frauen Handtaschen dabei haben

"Es wird hier heute Abend nicht mitgeschnitten -wir können also offen reden!" Moderator Heino Gröf von der Bundeszentrale für politische begrüßte so am Dienstagabend die Teilnehmer und Gäste der Diskussionsrunde ™Was soll aus Europa werden?" im Berliner Abgeordnetenhaus. Die Stühle in selbigem waren nach den Wahlen in der Hauptstadt gerade neu geordnet und die Jungparlamentarier konnten nun auf den Sesseln von Wowereit und Co. Platz nehmen.

Ihr persönliches Symbol für Europa sollten sie nennen, die Abgeordneten, die an diesem Abend den Teilnehmern vom ™Jugendparlament für Europa" Rede und Antwort stehen wollten: Michael Roth (SPD), Peter Altmeier (CDU), Christian Sterzing (Bündnis 90/Die Grünen), Sabine Leutheusser Schnarrenberger (FDP) und Uwe Hiksch (PDS). Und jeder hatte eine kleine Geschichte parat. Ob es die französische Austauschülerin war, die das erste Mal im Leben Europa greifbar machte, oder aber Kollegen aus dem Nahen Osten, die vor Glück weinten, als sie die Grenze zwischen Frankreich und Deutschland einfach so überqueren konnten. Alle Erlebnisse verdeutlichten, dass Europa gar nicht mehr wegzudenken und zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

Dennoch oder gerade deswegen löcherten die Jugendlichen die Bundestagsabgeordneten mit Fragen rund um die EU, das Politikerdasein an sich und Terrorismusbekämpfung. Die Erfahrungen, die die Jungparlamentarier am Nachmittag in ihrer ersten Plenardebatte gemacht hatten, zeigten bereits Wirkung. Wie es denn sei, als Parlamentarier über etwas abzustimmen, von dem man gar keine Ahnung habe, war eine der ersten Fragen. Aber es ging auch thematisch zur Sache. Der Vertrag von Nizza sei enttäuschend gewesen, sagte Peter Altmeier. ™Der Schritt hätte größer und schneller sein müssen."

Die Charta der Grundrechte war ebenfalls Thema. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zaubert sogleich das Büchlein aus ihrer Handtasche und lieferte damit endlich ein Argument dafür, warum Frauen niemals das Haus ohne ihre persönliche Tasche verlassen. Nach einer Dreiviertelstunde leitet Moderator Gröf zu den, so wörtlich, ™zarten Themen wie Afghanistan" über. ™Auf der Autobahn des Abends stauen sich noch viele Themen."

Die Gäste konnten traute Übereinstimmung von Grünen und SPD bemerken, für die CDU untypische Positionen durch Peter Altmeier vertreten sehen und feststellen, dass PDS und FDP ™leider nur in einem Prozent" übereinstimmen, wie Sabine Leutheusser-Schnarrenberger konstatierte. Erstaunlich munter, locker und interessiert gaben sich die echten Parlamentarier, allem Parteiengeplänkel zum Trotz. Dafür gab's zum Abschluss "standing ovations."


Birte Betzendahl