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Ausschuss VI: Europäische Verfassung
"Zuweilen auch ratlos"
Interview mit Michael Roth,
MdB, Mitglied im Europaauschuss
Herr Roth, warum ist ein Jugendparlament wichtig?
Junge Leute rennen den Parteien und den politischen Organisationen ja nicht gerade die
Türen ein. Deswegen ist es toll, wenn es Organisationen gibt, die jungen Leuten die
Möglichkeit geben, sich in politische Prozesse einzubringen, zumal der
Parlamentarismus eine sehr komplizierte Angelegenheit ist. Wenn man Jugendlichen auch die
Möglichkeit gibt, hinter die Kulissen zu schauen, ist das vielleicht auch eine Hilfe,
Vorurteile abzubauen, mit Klischees aufzuräumen. Und uns ™Profipolitikern" gibt das
natürlich die Gelegenheit, mit jungen Leuten in Kontakt zu treten.
Warum sollten sich junge Leute mit der Thematik Europa befassen?
Europa ist ein Zukunftsthema. Wir beschäftigen uns ja gerade mit den Fragen ™Wie
könnte Europa aussehen?", ™Wo liegen Probleme in den Verfahren?", ™Wo
drückt den Menschen der Schuh?" Da sind gerade die Antworten und die Kritik von
jungen Leuten gefragt damit wir ein Europa schaffen, das auch den zukünftigen
Herausforderungen gerecht wird. Außerdem finde ich es immer ganz erfrischend, wenn
sich junge Leute mit Themen beschäftigen, von denen man noch nicht alles weiß
und wo sich auch noch nicht jeder zu geäußert hat. Europa bietet ja gerade
dafür eine wunderbare Plattform. Es steht ja noch nicht so sehr im Blickpunkt der
žffentlichkeit. Je mehr Freunde Europa hat, um so besser. Und wenn diese Freunde dann
noch jung sind, ist es noch ein größerer Vorteil.
Wie können Jugendliche und Politik zusammen geführt werden?
Erstmal muss sich jeder Politiker und insbesondere jeder Abgeordnete an die eigene Nase
fassen und muss sich überlegen, wie man durch seine eigenen Veranstaltungen, durch
die ganz persönliche Arbeit dazu beitragen kann, mit jungen Menschen in Kontakt zu
treten. Und: Politik sollte sich nicht abgehobener geben, als sie tatsächlich ist. Die
Erwartungshaltung an die Politik ist immer sehr groß. Manchmal tut es auch ganz gut,
wenn man zu erkennen gibt, dass politische Handlungsspielräume begrenzt sind, dass
Politiker nicht auf jede Frage eine Antwort wissen, dass wir bisweilen auch ratlos sind, dass
wir natürlich nicht fehlerfrei arbeiten und dass Fehler auch zur politischen Arbeit
dazugehören.
Wie haben Sie als Jugendlicher den Zugang zur Politik gefunden?
Ich habe schon relativ frühzeitig mit Politik angefangen. Schon während meiner
Schulzeit habe ich mich für Politik interessiert, war in der SV aktiv, stellte aber dann
doch fest, dass mir rein bildungspolitische Themen nicht ausreichen. Aber ich habe in der
Schule gelernt, dass es sich lohnt, sich für Themen und Projekte einzusetzen, weil man
was verändern kann. Diese positive Arbeit hat mich motiviert, mehr zu machen.
Was muss eine europäische Verfassung ihrer Meinung nach leisten?
Eine europäische Verfassung sollte meiner Meinung nach dazu beitragen, dass Europa,
handlungsfähiger, demokratischer und greifbarer wird. Mit Europa muss man mehr
Positives verbinden. Natürlich ist eine Verfassung auch nur ein Stück Papier.
Aber wenn das in einer relativ klaren Sprachen auf den Weg gebracht werden kann, wenn
man in die Diskussion über eine Europäische Verfassung möglichst viele
Menschen mit einbezieht, dann ist eine größere Identifikation der
Bürgerinnen und Bürger mit Europa möglich.
Was erhoffen Sie sich von der Diskussion heute Abend?
Mich interessieren die jungen Leute, die sich ja mit viel Kritik, mit vielen eigenen Fragen,
Sachverstand und Engagement dem Thema Europa in den vergangenen Tagen genähert
haben. Wenn die uns jetzt mal auf den Zahn fühlen, wenn sie uns vielleicht für
bestimmte Themen sensibilisieren, die in der bisherigen Arbeit zu kurz gekommen sind, dann
wäre ich dafür schon sehr dankbar.
Birte Betzendahl
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